Von Oberlippenbärten und anderen deutschen Befindlichkeiten
Wer war nochmal Friedrich Ebert?
Der erste deutsche Bundeskanzler, der preussisch-korrekt und sozialdemokratisch-gründlich das erste kommunistische Experiment in Deutschland von Freikorpslern in Blut ertränken lies und zugleich Namensgeber für die SPD-nahe Stiftung, die gestern eine Umfrage zur Befindlichkeit der deutschen Volksseele veröffentliche:
Interessant sind dabei einige Sachen, zunächst einmal wie die Chefstatistiker des Instituts die Zustimmungs- und Ablehnungswerte zusammen stecken. Gerade in Feldern wie Antisemitismus wird eine scharfe Trennung zwischen Zustimmung und Ablehnung des üblichen antisemitischen Schwampfs gezogen, die sich zwar schick in Statistiken machen, aber mit der Realität kaum was zu tun haben. Nach der Umfrage existiert nur eine Zustimmung antisemitischer Thesen, wenn man ihr überwiegend zustimmt. So kann der Bionadebiedermayer mit sozialdemokratisch-antifaschistischem Persilschein weiter seine Ressentiments gegen Israel und das Finanzkapital, das mit seiner Zinsknechtschaft dem Kleinbürgertum, pardon Mittelstand, das Genick brechen wird, pflegen. Dass regressive Kapitalismuskritik gerade jetzt wieder en vogue ist, beweisen unsere sozialistischen Frontkämpfer des Neuen Deutschland, die mit diesem kleinen Flashspielchen wieder im Diskurs von raffendem und schaffendem Kapital schwimmen. Ein Spiel in dem Gregor Gysi über das mit Geld gebaute Brandenburger Tor hottet, welches bei jedem Angriff der Finanzhaie, Heuschrecken und Westerwelle, nicht nur stärker bröckelt, sondern auch weiter in Richtung Amutsgrenze sinkt, machen den Tango um einen Führer, der Deutschland vor dem grassierenden internationalen Finanzkapital errettet, perfekt.
Dass der bürgerliche Traum eines rechten Randes der all die deutsch-nationalen Ressentiments in sich vereinigt und von dem man sich fachgerecht jederzeit mit Lichterketten und "antifaschistischen Sommern" distanzieren kann, nicht erst seit Sarrazin bröckelt und zusammenfällt, ist jedem klar, der einmal seinen Zynismus in den Kommentarspalten der Tageszeitungen und Magazinen befriedigt sehen wollte. Fast schon neu und leicht überraschend ist die Sprache, die einem seit der "Dit wird man ja wohl ma sag'n dürf'n"-Debatte entgegenschlägt.
Während Alexander H. in der Kommentarspalte der FR sich noch zurückhält und das übliche deutsch-nationale Blabla (nur echt mit Parasitem-Verweis) von sich gibt, schlägt Sabrina voll in die Kerbe:
Es wird höchste Zeit, dass Deutschland die Tore gegen alles Gesindel dicht macht. Wer nach Deutschland möchte, sollte genau wie es Kanada oder Australien machen sorgfälltig ausgesucht werden. Ausländer die den Staat (Steuerzahler) ausnehmen und auf der Tasche liegen haben hier nichts verloren. Das ganze gesabbel wegen Asyl ist eine Verdummung. Asyl ist das Zauberwort und den Deutschen Staat besser abzogen und ausnehmen zu können. Eine andere Minderheit (Sekte) hat das Jahrzehnte erfolgreich praktiziert.
Das Zauberwort hier, heisst "Gesindel" und welche andere Minderheit (Sekte) sie wohl meint, bleibt unserer blühenden Fantasie überlassen. Und auch die üblichen Verschwörungstheorien dürfen nicht fehlen:
Ich denke, hier sind interessierte kreise am Werk, die mit Hilfe von Psuedo-Umfragestudien dem zunehmendem Selbstbewusstsein der Deutschen zunichte machen wollen, damit diese wieder komatös in ihre Schuldkomplex zurückfallen, den sie seit 65 Jahren buckeln. Vorzeige Musliminnen, die mit Titel geschmückt bei solchen Instituten arbeiten, in Talks ihre wissenschaftlichen Verfälschungen präsentieren, die agieren mit gezielter Intention: Den Deutschen muss der Zahn gezogen werden, sich frei dem Islam gegenüber kritisch zu äussern. Diese Pseudo-Umfragen des SPD-Instuts sind Beweis. Ich würde die Menschen gerne kennenlernen, die solchen Suggstiv-Fragen-Mist beantwortet hätten, wer sich auf JA und NEIN§Umfragen einlässt, dem muss das Hirn fehlen.
Bei SpOn hingegen tut man sich etwas schwerer, zunächst wird von deutschen Leitkulturisten das Pflegen rassistischer, faschistischer und antisemitischer Ressentiments als "rechtsextrem" verneint und verniedlicht, während sich Zephira nicht entblödet die Extremismus-Keule zu schwingen und KurtFolkert abwehrtechnisch geschickt:
Fehler! Warum wird diese Umfrage bei Deutschen gemacht? Müssen wir uns etwa in unser eigenes Land integrieren? Irgendwie sind mal wieder die Falschen befragt worden.
die ganze Debatte auf eine Frage der Integration herunterbricht. Und immer weiter formiert sich der Volksmob, um sich selbst als Opfer der perfidesten Umstände zu produzieren.
Aber auch die "Aufrechten", die sich jetzt überrascht und betroffen über den "neuentdeckten" Keim der deutschen Barbarei verwundert die Äuglein reiben, tanzen teilweise recht vorhersehbar dem nach, was die Studie vorgibt. So wird die Grundlage antisemitischer, rassistischer etc. Denkmuster gerne als Problem "bildungsferner", "sozial-schwacher" und darausfolgend "ostdeutscher" Millieus formuliert. Die Tatsache, dass die bürgerliche Gesellschaft sich eben dieser je nach Gusto bedient und sie wenn es als nachteillig erscheint ablehnt, wird ebenso wie eine kaum stattgefundene Entnazifizierung und der Kriminalisierung antifaschistischer Strukturen nicht erst seit Kristina Schröder, komplett ignoriert.
Die Studie selbst kann man im besten Falle als Worthülse benutzen, da sie zwar teilweise recht entlarvende Einblicke liefert, aber andere Bereiche wie etwa Homophobie und Sexismus komplett außen vor lässt.
In diesem Sinne:
"Dörte, hör auf vom Dinkel zu naschen und pack schon mal die Lichterketten aus"
Irgendwo im Sumpf
zwischen S21 und "Tatort Internet", wo Integrationsdebatten dem röhrenden Hirschen der deutschen Volksseele eine "Gute Nacht" zusäuseln, hast Du, mein lieber Aufhänger für all das Ganze im Falschen, Dich versteckt. Und je mehr alkoholhaltige Brotkrumen ich Dir zuwerfe, umso weiter kriechst Du ins Unterholz. Aber spätestens am semioffiziellen "Eispickel-Tag" (Der 17.Oktober, wir erinnern uns) werden wir ein, zwei Wörtchen wechseln und danach die Decke übern Kopf ziehen.
